Wenn alte Muster wirken

Ich bin in einer Fussballerfamilie aufgewachsen. Mein Vater war Trainer, mein Bruder und ich spielten selbst. Fussball gehörte einfach dazu. Leistung auch. Gewinnen wollen. Besser werden. Dranbleiben. Nicht nur auf dem Platz, sondern auch in anderen Lebensbereichen.

Ich erinnere mich noch genau an einen Abend im Training. Mehrere Altersgruppen trainierten gemeinsam. Ich war der Jüngste und Kleinste. Und trotzdem durfte ich vorneweglaufen und das Tempo vorgeben. Ich platzte fast vor Stolz.

Solche Momente prägen. Und vieles davon war wertvoll. Gleichzeitig hatten andere Dinge weniger Raum: Gefühle wahrnehmen. Innere Spannungen benennen. Über Verletzlichkeit sprechen. Das waren keine selbstverständlichen Themen.

Erst als junger Erwachsener begann ich durch Anstösse von aussen zu merken, wie stark mich diese Prägung in meinem täglichen Leben beeinflusste. Ein Beispiel: Ich bemerkte, dass mich selbst kleine Kritik persönlich stark traf und verunsicherte. Es entstand Druck. Und die Angst, nicht zu genügen. Ich fragte mich, warum. Genau dort begann Selbstreflexion zu helfen. Langsam wurde sichtbar: Kritik fühlte sich an wie Verlieren. Verlieren bedeutete schlechte Leistung. Und schlechte Leistung bedeutete schnell: Ich bin nicht gut genug.

Vielleicht kennen Sie ähnliche Muster. Wiederkehrende Konflikte. Missverständnisse, die sich wiederholen. Situationen, in denen Sie sich selbst im Weg stehen. Reaktionen, die stärker sind, als sie sein müssten. Oder eine Unsicherheit, die schwer zu greifen ist.

Oft suchen wir die Erklärung zuerst im Aussen. Beim Gegenüber. In der Situation. In den Umständen. Und manchmal stimmt das auch. Doch bevor wir andere Menschen wirklich verstehen und begleiten können, müssen wir bereit sein, uns selbst besser zu verstehen.

Selbstreflexion bedeutet, das eigene Denken, Fühlen und Handeln bewusst wahrzunehmen. Sie hilft, Muster zu erkennen. Glaubenssätze sichtbar zu machen. Und zu prüfen, ob sie heute noch hilfreich sind. Dabei geht es nicht um Selbstoptimierung und auch nicht darum, sich ständig zu hinterfragen. Es geht um einen ehrlichen Blick auf das, was uns prägt, leitet und manchmal begrenzt.

Selbstreflexion baut Brücken zu uns selbst. Und diese Brücken können später auch andere nutzen. Wer die eigenen Reaktionen besser versteht, kann ruhiger zuhören, klarer fragen und bewusster begleiten. Dafür braucht es Offenheit, manchmal auch Verletzlichkeit. Und oft einen Raum, in dem jemand von aussen mitfragt, spiegelt und hilft, blinde Flecken sichtbar zu machen.

Deshalb ist Selbstreflexion bei Coachingplus kein Zusatz. Sie gehört zum Fundament von Coachingkompetenz. In unseren Ausbildungen hat sie deshalb bewusst Raum: in den Basis- und Aufbaumodulen, besonders aber auch in den sechsmonatigen Reflexionssitzungen.

Wir sind überzeugt: Wer andere begleiten möchte, braucht Zugang zu sich selbst.

Weitere Informationen zu den Ausbildungen befinden sich hier: Ausbildungsübersicht

Erschienen als Coachingplus Newsletter im Juni 2026

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