Esther Nogler ist Coach, Supervisorin und Beraterin – und begleitet Menschen in ihrer Entwicklung. Ihre Berufsbahn führte sie von der Farb- und Modestilberatung in die psychosoziale Beratung und ins Coaching. Für sie ist Mentoring mehr als guter Wille – es ist eine bewusste, erlernbare Form von Beziehung.
Du hast den Weg über die Farb-Modestilberatung in die psychosoziale Beratung und ins Coaching gefunden. Wie kam es dazu?
Damals war ich Ehefrau und Mutter von drei kleinen Kindern und konzentrierte mich auf die Familienarbeit. Die Farb- und Modestilberatung bot mir einen natürlichen Einstieg weg von meinem Beruf als Bankkauffrau hin zu etwas, das mich mehr interessierte. Dabei öffneten sich mir viele Menschen und teilten persönliche Lebensthemen, was mich Schritt für Schritt zu Ausbildungen in Beratung, Coaching und Supervision führte.
Eigentlich bist du Coach und Supervisorin, und darüber hinaus engagierst du dich bei Mentoringplus für Mentoring. Wo siehst du Unterschiede zwischen den drei Berufen?
Die drei Rollen ergänzen sich, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte.
Als Coach unterstütze ich Menschen dabei, eigene Antworten zu finden. Statt Ratschläge zu geben, stelle ich Fragen und helfe, passende nächste Schritte zu entwickeln.
Supervision fördert Selbstreflexion: Eigene Muster erkennen und verstehen, was hilft und was bremst.
Als Mentorin teile ich meine Erfahrungen, gebe Einblicke in Erfolge und Hürden und öffne Türen mit Kontakten, Strategien und Wissen.
Was ist aus deiner Sicht die zentrale Motivation von Menschen, die sich im Mentoring engagieren?
Erfahrene Menschen möchten Sinnvolles bewirken, indem sie ihr Wissen weitergeben und in die nächste Generation investieren. Sie empfinden Dankbarkeit, freuen sich über das Wachstum anderer und wollen es ermöglichen. Beziehungen haben für sie hohen Wert – sie glauben an deren Kraft im Beruf wie im Privaten und möchten dazu beitragen.
Wird Mentoring in gewissen Situationen auch zu einer Art Therapie? Wo liegen hier klare Grenzen?
Ich sehe den Menschen immer ganzheitlich mit Körper, Seele und Geist. Insofern hat Mentoring auch einen therapeutischen Aspekt. Viele Menschen tragen eine tiefe Sehnsucht nach etwas Grösserem in sich. Die Grenze liegt darin, dass der Bezug zum beruflichen Kontext immer wieder hergestellt werden muss.
Welchen Einfluss kann gutes Mentoring auf die mentale Gesundheit und das Wohlbefinden von Mentees haben?
Weil Mentoring ganzheitlich ist, wirkt es sich auch auf die innere Balance aus, auf das gesunde Verhältnis zwischen Anforderungen, die das Leben an uns alle stellt und dem, was möglich ist. Es hilft, bewusster mit den eigenen Ressourcen umzugehen, innere Stärke zu entwickeln und gleichzeitig sorgsam mit den eigenen Grenzen umzugehen, ob körperlich, emotional oder bedingt durch äussere Umstände.
Mentoringplus richtet sich gezielt an Menschen über 55 Jahre, warum ist gerade diese Lebensphase besonders spannend für Mentoring?
Menschen mit mehr als einem halben Jahrhundert Lebenserfahrung bringen etwas mit, das man nicht aus Büchern lernt: reflektierte, gelebte Erfahrung. Sie haben erlebt, was funktioniert und was nicht. Sie haben Fehler gemacht, daraus gelernt und können anderen ersparen, dieselben Umwege zu gehen.
Welche Chancen gibst du als Coach und Supervisorin Mentoringplus? Viele Menschen haben Erfahrung und den Wunsch zu helfen – doch guter Wille allein reicht nicht. Mentoring auf Augenhöhe, von dem beide profitieren, ist eine erlernbare Kunst. Mentoringplus verbindet diesen Wunsch mit konkreten Kompetenzen und Methoden und schafft in 12 Tagen eine kompakte, praxisnahe Grundlage mit nachhaltiger Wirkung für Mentorin und Mentees.
Weitere Informationen zum Lehrgang gibt es hier: Mentoringplus – fundierte Mentoring-Kompetenz in 12 Tagen
