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Interview: Tiefe statt Tempo

Ruth Stoffel Kauflin ist erfahrene Supervisorin und Coach. Sie hat Psychologie studiert und ist seit 2014 Inhaberin der Ruth Stoffel Kauflin GmbH. Sie will keine fertigen Lösungen vergeben, sondern mit Impulsen begleiten. 

Wie hat alles bei dir angefangen?
Ich habe als Buchhändlerin gestartet, danach studierte ich Psychologie und war an der ZHAW als Dozentin tätig. Heute arbeite ich als Coach und Supervisorin, manchmal gebe ich trotzdem noch Vorlesungen. Rückblickend kann man sagen, dass es einen roten Faden in meinem Leben gibt – ich habe schon immer gerne Menschen beraten.

Was ist deine Motivation dahinter?
Meine Motivation ist es, Menschen zu unterstützen und weiterzubringen. Dabei geht es nicht darum, Lösungen vorzugeben, sondern Impulse – damit die Menschen selbst Antworten finden und sich weiterentwickeln können.

Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft, alles ist kurzfristig. Welche Rolle spielen Erfahrung und Reife in diesem Zeitalter?
Erfahrung und Reife sind weiterhin sehr wichtig. Auch wenn vieles schnell gehen soll, braucht persönliche Entwicklung Zeit. Gerade im Coaching zeigt sich, dass nachhaltige Veränderungen nicht kurzfristig entstehen. Auch wenn viele wollen, dass es schnell geht, merken sie ziemlich schnell, dass Mentoring Zeit und Geduld braucht.

Gehen mit dem demografischen Wandel auch Perspektiven und Wissen verloren?
Teilweise ja, mit dem Kommen von jüngeren Generationen und dem Gehen der älteren Generationen verschwindet auch Wissen. Gleichzeitig entsteht aber auch neues Wissen. Wichtig ist eine Balance zwischen Erfahrung und neuen Entwicklungen.

Was verändert sich bei Menschen, wenn sie merken, dass ihre Erfahrung wirklich zählt und geschätzt wird?
Wertschätzung steigert Motivation und Engagement. Wenn Menschen sich nicht geschätzt fühlen, verlieren sie die Lust. Anerkennung ist in jedem Alter entscheidend für Motivation und Zufriedenheit.

Was bedeutet Mentoring für dich?
Mit den Mentees zusammenzuarbeiten, sie in ihrer Entwicklung zu begleiten, aber auch gleichzeitig selbst dazuzulernen. Ein Austausch ist für beide Seiten bereichernd und immer etwas Neues.

Auf was basiert eine gute Mentoring-Beziehung?
Eine gute Mentoring-Beziehung basiert vor allem auf Offenheit. Wichtig ist, Erfahrungen zu teilen, ohne die Erwartungen, dass die andere Person diese exakt umsetzt. Es geht um gegenseitiges Verständnis und einen offenen Austausch.

Können Mentoren Sachen weitergeben, die Familie und Freunde nicht können?
Ja, definitiv. Mentoren können ein objektiveres und weniger voreingenommenes Feedback geben. Durch die professionelle Distanz entsteht eine andere Perspektive, die Familie oder Freunde oft nicht bieten können. Mentoren sehen oft blinde Flecken, die den Mentees erst im Nachhinein auffallen.

Welche Chancen gibst du Mentoringplus?
Mentoringplus bietet die Chance, eine oft vernachlässigte Gruppe stärker einzubeziehen und wertzuschätzen. Ich sehe es als eine gute und wichtige Initiative, besonders weil es für die Zielgruppe 55+ ist. Ich bin gespannt auf die Resonanz.

Weitere Informationen zum Lehrgang gibt es hier: Mentoringplus – fundierte Mentoring-Kompetenz in 12 Tagen

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