Hans Peter Bär hat eine internationale Traumkarriere im Banking mit Stationen in Singapur, London, Jersey und New York hingelegt. Doch 2019 starb seine Mutter, der Vater wurde pflegebedürftig. Kurzerhand hängte er den Job an den Nagel und kümmerte sich um seinen Vater – und entdeckte, dass das Leben noch mehr zu bieten hat. Seither ist Hans Peter u.a. als Verwaltungsrat, Leadership Coach und Mentor unterwegs.
Hans Peter, du wurdest beim «International Speaker Slam» in Deutschland mit dem Excellence Award ausgezeichnet. Was braucht es, damit das Publikum an deinen Lippen hängt?
Menschen folgen Menschen. In meiner Erfahrung spürt ein Publikum sofort, ob jemand authentisch auf der Bühne steht oder nur eine Rolle spielt. Der Schlüssel liegt in der Kommunikation und in der Verbindung mit den Menschen. Ich spreche deshalb nicht zu den Leuten, ich spreche mit ihnen. Dazu braucht es echte Emotionen, Verletzlichkeit und eine klare Botschaft aus eigener Erfahrung. Wer nur Fakten und Theorie vermittelt, verliert sein Publikum schnell. Wer seine eigenen Erfolge und Misserfolge teilt, schafft Vertrauen. Wahre Präsenz entsteht, wenn Kopf und Herz im Einklang sind. Das gilt nicht nur auf der Bühne, sondern in jeder zwischenmenschlichen Beziehung – insbesondere auch im Mentoring.
Dein Erfolg ist, andere erfolgreich zu machen – nämlich als Mentor für die Teppichetage. Was ist deine Antriebsfeder?
Ich möchte sehen, wie Menschen, mit denen ich mich umgebe und zusammenarbeite, wachsen und sich entwickeln. Als Mentor bin ich quasi «Entwicklungshelfer am Menschen». Ich agiere dabei in einer Vielzahl von Rollen, so zum Beispiel als internationale Führungskraft, als Verwaltungsrat, Dozent, Mentor, Leadership & Speaker Coach und auch im Privaten als stolzer Vater von drei Kindern und als Freiwilliger in einem Heim für Menschen mit körperlichen und mentalen Herausforderungen. In meiner internationalen Führungskarriere habe ich auf drei Kontinenten gelebt und gearbeitet. Dabei habe ich insgesamt mehrere Tausend Mitarbeiter geführt, Menschen und Organisationen in komplexen Fragestellungen begleitet und durch grosse Transformationen geführt. Dabei habe ich zwei wichtige Dinge gelernt:
● Der grösste Hebel für den Unternehmenserfolg sind die Menschen.
● Der grösste Hebel für das Wachstum von Menschen ist die Entwicklung ihrer Persönlichkeit.
Genau deshalb mache ich seit vielen Jahren Persönlichkeitsentwicklung. Es erfüllt mich persönlich zutiefst, Menschen dabei zu begleiten, ihr volles Potenzial zu entfalten und über sich hinauszuwachsen und gross zu denken.
Was braucht es, damit Menschen dir als Mentor vertrauen?
Vertrauen entsteht durch radikale Ehrlichkeit und psychologische Sicherheit. Ein Mentee muss spüren, dass ich als Mentor keine eigene Agenda verfolge, sondern zu 100 Prozent in seinen Erfolg investiert bin. Das erfordert aktives Zuhören ohne vorschnelle Urteile. Ich teile meine eigenen Erfahrungen ungeschönt, inklusive meiner zahlreichen Fehler und der reflektierten Erkenntnisse daraus. Diese Verletzlichkeit baut Brücken. Zudem braucht es absolute Diskretion. Der Raum zwischen Mentor und Mentee ist ein geschützter Bereich. Nur wenn sich der Mentee sicher fühlt und öffnen kann, kann Fortschritt und echtes Wachstum entstehen.
Wer erfolgreich sein will, muss Stärke zeigen – denkt man. Stimmt das?
Das ist ein veraltetes Führungsverständnis. Wahre Stärke zeigt sich heute in der Fähigkeit, Schwäche zuzulassen. Die komplexen Herausforderungen unserer Zeit lassen sich nicht mehr von allwissenden Einzelkämpfern lösen. Ein starker Leader sagt: «Ich weiss es nicht, aber wir finden es gemeinsam heraus». Empathie, emotionale Intelligenz und die Bereitschaft, aus Fehlern zu lernen, sind die wahren Erfolgsfaktoren. Wer Verletzlichkeit zeigt, baut Vertrauen auf und schafft ein Umfeld, in dem Innovation und nachhaltiges Wachstum überhaupt erst möglich werden.
Welche Eigenschaften sollte ein Mentor mitbringen?
Auf meinem bald 30-jährigen Karriereweg hatte ich stets auch persönliche Mentoren, die mich in meiner Entwicklung als Sparringspartner und Wegbegleiter aktiv unterstützt haben. Ohne diese Menschen wäre ich definitiv nicht da, wo ich heute stehe. Meiner Erfahrung nach braucht ein exzellenter Mentor vor allem drei Dinge: Eine tiefe eigene Erfahrung, eine ausgeprägte Empathie und ein echtes und bedingungsloses Interesse an der Entwicklung des Gegenübers.
Ausserdem hat ein Mentor auch eine wichtige Vorbild-Funktion. Sein Verhalten zeigt jederzeit Integrität, Seniorität und Professionalität. Ein Mentor muss gut zuhören können, ohne sofort zu bewerten. Er braucht die Reife, sein eigenes Ego zurückzustellen. Und er muss den Mut haben, unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Insgesamt ist ein guter Mentor ein wohlwollender Sparringspartner, der die Entwicklung des Mentees bedingungslos unterstützt.
Inwiefern kann man es lernen, Mentor zu sein?
Die methodischen Werkzeuge lassen sich definitiv erlernen. Fragetechniken, aktives Zuhören oder Strukturierungsmodelle sind Handwerkszeug. Die wahre Meisterschaft entsteht jedoch durch Erfahrung und Selbstreflexion. Man muss bereit sein, an der eigenen Persönlichkeit zu arbeiten. Gute Selbstreflexion bedeutet, gegen den eigenen Stolz zu kämpfen und das eigene Denken, Fühlen und Handeln zu hinterfragen. Ein Mentor muss seine eigenen blinden Flecken kennen. Langjährige Erfahrung sowie Zertifizierungen geben ein starkes Fundament. Die Kunst des Mentorings entwickelt sich aber vollumfänglich erst in der Praxis.
Was hältst du vom neuen Lehrgang Mentoringplus?
Viele erfahrene Menschen und Führungskräfte stellen heutzutage fest: Wissen weiterzugeben ist das eine, Entwicklung bei anderen auszulösen etwas anderes. Es stellt sich deshalb die wichtige Frage, wie daraus echte Wirkung und Veränderung beim Gegenüber entsteht. Der Lehrgang Mentoringplus richtet sich genau an solche Menschen, die ihre Erfahrung wirksam weitergeben möchten. Insgesamt finde ich Initiativen, die Mentoring weiter professionalisieren, von unschätzbarem Wert. Ein strukturierter Lehrgang hebt die Qualität des Mentorings und schafft aus meiner Sicht wichtige Standards. Er vermittelt das notwendige Handwerkszeug und fördert die Reflexion der eigenen Rolle. Der Lehrgang von Mentoringplus bietet enorme Chancen, besonders für erfahrene Führungskräfte, die ihr Wissen und ihre Erfahrung strukturiert und wirksam weitergeben wollen.
Auch heute noch wird Coaching und Mentoring immer wieder verwechselt. Was ist deiner Erfahrung nach genau der Unterschied zwischen Coaching und Mentoring? Der Unterschied liegt in der Tiefe der eigenen Erfahrung. Ein Coach braucht keine detaillierten Branchen- oder Problem-Kenntnisse. Er nutzt dabei insbesondere Fragetechniken, um den Klienten zur eigenen Lösung zu führen. Ein Mentor hingegen bringt eigene «Battle Scars» mit. Er hat die Herausforderungen des Mentees selbst durchlebt. Ein Coach fragt etwa: «Welche Optionen siehst du, um das Problem zu lösen?» Ein Mentor sagt: «Ich stand vor genau diesem Problem. Lass uns anschauen, wie ich es gelöst habe und was du daraus für deinen Weg mitnehmen kannst.» So teile ich im Mentoring beispielsweise mein eigenes Wissen, meine Erfahrung, mein Netzwerk und meine Fehler aus drei Jahrzehnten in der Teppichetage. Kurz: «Mentoring ist Coaching – plus erlebte und gelebte Erfahrung».
Weitere Informationen zum Lehrgang gibt es hier: Mentoringplus – fundierte Mentoring-Kompetenz in 12 Tagen
